Um was für ein Auto es sich handelte, geht aus dem Urteil vom April nicht hervor. Ein Kleinwagen war es eher nicht. Jedenfalls hatte der Mann sein Fahrzeug in Zürich Wollishofen in der blauen Zone abgestellt. Besser gesagt: zwei Räder. Die anderen beiden standen ausserhalb der Markierung.

Vor Gericht wehrte er sich gegen die Busse von 120 Franken. Der Mann sagte, er habe so parkiert, weil er sonst nicht hätte aussteigen können. Der Parkplatz sei zu klein und grenze an eine Mauer. Doch das Gericht stellte klar, es bestehe kein grundsätzlicher Anspruch auf einen genügend grossen Parkplatz. Es sei «unerheblich, ob das Fahrzeug zu gross oder das Parkfeld zu klein war».

Strassen, Brücken, Tunnel oder Parkplätze: Als die Infrastruktur ab 1950 gebaut wurde, waren Autos viel kleiner. Doch Jahr für Jahr wachsen sie. Überall wird es eng, Konflikte zeichnen sich ab – mit dem Gesetz, mit anderen Autos, mit Fussgängern und Velofahrern.

Der Grössenwahn brach endgültig aus, als vor bald 25 Jahren durch den SUV-Boom ein Wachstumsschub losgetreten wurde. Davon profitiert die ganze Branche, die beteuert, nur den Kundenwünschen zu entsprechen. Von den Margen der Hersteller bis zu den Provisionen für die Händler ist alles darauf ausgelegt, möglichst grosse Autos zu verkaufen.

Wenn Effizienzsteigerungen dazu führen, dass die Konsumenten mehr verbrauchen und dadurch die Einsparung teilweise aufheben, spricht man von einem Rebound-Effekt. Wohin das führen kann, zeigt der Tesla. Als Elektrofahrzeug fährt er frei von Emissionen. Dadurch fühlt sich der Fahrer derart gut, dass er keinen Widerspruch darin erkennen kann, als Öko-Vorreiter in einem SUV zu sitzen. Der Tesla X ist mit Rückspiegeln 2 Meter 27 breit.

Unsere Autos werden immer grösser...

Sind die Parkplätze bald zu klein?

Alltag in Schaffhausen...

Das wundersame Wachstum lässt sich schön beim VW Golf verfolgen. Als er 1974 lanciert wurde, wog er knapp 800 Kilogramm und war 1 Meter 61 breit, 3 Meter 70 lang. Mit jeder Generation wurde es mehr, heute stehen wir bei der siebten. Sie ist deutlich grösser und mit 1,6 Tonnen doppelt so schwer. Weil der Golf immer grösser wurde, brachte VW mehrfach neue Kleinwagen heraus, den Polo etwa, der dann seinerseits stetig wuchs. Dass ein Nachfolgemodell kleiner ist als der Vorgänger, kommt fast nie vor. Und als zum Beispiel 2001 der Mini sein Comeback gab, konnte man sich die Frage stellen, warum der noch Mini hiess.

Ein Ende des Drangs nach Grösse lässt sich nicht ausmachen. Steigt der Benzinpreis oder läuft die Wirtschaft schlecht, wählen die Kunden etwas schwächere Motoren, aber keine kleineren Modelle. Doch der Fall des Zürcher Parksünders deutet an, wo die Grenze liegt – bei der Infrastruktur. Im Frühling 2019 sollen die Normen für Parkplätze angepasst werden. Damit würde man den Autos jenen Platz zugestehen, den sie längst in Anspruch nehmen.


Man müsste sich dann nur der Frage stellen: zulasten von wem?